Fußball-WM 2002: meine Lieblings-WM

Juli 10th, 2010 by admin

Im Winter 2000 fasste ich einen spontanen Entschluß: ich wollte zur WM nach Südkorea und Japan fahren. Noch nie hatte ich ein WM-Spiel live im Stadion gesehen. Und da mich auch Reisen in ferne Länder reizten, passte die Kombination 2002 sehr gut. Um mir wenigstens ein paar Tickets zu sichern, bestellte ich zunächst ein Fanpaket bei der FIFA zur Begleitung eines Teams bis einschließend Achtelfinale. Alles weitere wäre dann doch zu teuer, zu lange und die Wartezeiten zwischen den Spielen ab Viertelfinale sind zu lang.

Für das deutsche Paket entschloß ich mich, weil ich annahm, dass die Chance einer Qualifikation höher ist als z.B. für Dänemark. Doch es wurde eng. Die blöden Engländer gewannen in München. So musste ein Entscheidungsspiel gegen die Ukraine her. Das sah ich mir in einem Urlaub in Südafrika an. Mitten im Spiel ging der Strom in einer Hütte im Nationpark aus. Doch Deutschland gewann und die WM war gesichert.

Nicht ganz einfach war die Buchung der Flüge und Unterkünfte, sowie die Koordination in Japan. Aber das Abenteuer hat sich voll gelohnt. Insgesamt verfolgte ich 13 Spiele live im Stadion und die meisten anderen Spiele am Hotel-TV oder beim Public Viewing in Kneipen, Restaurants und Hallen.

Gleich zu Beginn nahm ich die Eröffnungsfeier in Seoul mit. Noch schöner war dann der Sieg von Senegal gegen Frankreich. Es waren aber kaum Afrikaner vor Ort. So jubelte ich fast alleine. Ein toller Start. In der Gruppe A triumphierte auch Dänemark. Sie besiegten nicht nur Uruguay, sondern auch Frankreich mit 2:0. Das letzte Spiel verfolgte ich in einem Kneipenkeller in Japan mit rund 30 Zaungästen. Da Senegal gegen Uruguay 3:3 spielte, war der Traum perfekt. 

In der Gruppe B erzielte Südafrika zunächst unentschieden gegen Paraguay und einen Sieg gegen Slowenien. Ein Unentschieden gegen Spanien hätte zum Weiterkommen gereicht. Das Spiel sah ich mir live in Daejeon an. leider gewannen die Spanier mit 3:2. Trotzdem lohnte sich der Ausflug. Denn danach lernte ich eine sehr gastfreundliche koreanische Familie kennen, die mich anschließend überall herumführte.

In der Gruppe C verlor die Türkei unglücklich gegen Brasilien, kam aber gegen Costa Rica und China auch weiter. Schade für die Mittelamerikaner, die immerhin ein Unentschieden gegen die Türkei erreichten.

Die Gruppe D war der Wahnsinn. Mitgastgeber Südkorea gewann die Gruppe mit Siegen gegen Polen und Portugal. Nur gegen die USA gab es ein 1:1. Das war sogar gur, da somit beide Teams weiterkamen. Denn die Amis besiegten auch Portugal. Das letzte Spiel von Korea gegen Portugal sah ich vor einem Schaufenster auf der koreanischen Insel Cheju. Dort versammelten sich viele Einheimische, die sich auf die Ladefläche eines LKWs setzten. Ich stellte mich dazu. Es war ein Wahnsinnshappening.

In der Gruppe E konnte ich alle deutschen Spiele live verfolgen. In Sapporo gab es in einer großen Halle ein legendäres 8:0 zum Einstieg gegen Saudi-Arabien. Die Freude im deutschen Fanblock war groß. Ich lernte viele Fans aus verschiedenen Orten kennen, z.B. auch einen Exil-Deutschen, der Mainz-Fan ist. Gegen Irland gab es leider nur ein müdes 1:1. Zum Spiel in Ibaraki fuhr ich mit dem Hotelbus der Iren. Es war trotzdem - oder gerade deshalb -eine tolle Stimmung. 

Schade, dass die Deutschen dann Kamerun in Shizuoka mit 2:0 nach Hause schickten mussten, damit ich ein Achtelfinale in der Tasche hatte.

In der Gruppe E sah ich mir das Spiel meiner Gruppenfavoriten Nigeria und Schweden an. Leider hatten die Afrikaner keine große Chance. Aber die Schweden erreichten gegen Argentinien und England Unentschieden, so dass die Südamerikaner frühzeitig die Koffer packen durften.

In Gruppe E musste Italien schön zittern, nachdem sie gegen Kroatien verloren hatten. Doch Ecuador half ihnen und schlug am letzten Spieltag wiederum Kroatien. Das half Ecuador aber nichts, sondern nur Italien.
Gruppensieger wurde Mexiko. Das 2:1 gegen Ecuador habe ich mir in Miyagi angesehen. Dabei habe ich viele verrückte singendende und tanzende Mexikaner kennengelernt.

Gastgeber Japan hatte es erstaunlich leicht. Siege gegen Russland und Tunesien, sowie ein 1:1 gegen Belgien zum Auftakt brachten den Gruppensieg. Russland flog heim. Leider auch Tunesien.

Zum Achtelfinale war ich wieder in Südkorea und verfolgte dort alle 4 Achtelfinalspiele im Stadion. Karten für Spanien gegen Irland musste ich mir noch auf dem Schwarzmarkt besorgen. Aber sie waren kaum teurer als normal. Nutzte aber nichts. Die Iren mussten heim. Deutschland hatte mit Paraguay eigentlich einen einfachen Gegner, tat sich aber trotzdem schwer.
Das Spiel Mexiko gegen USA wollte kaum jemand sehen. Ich war trotzdem da und hatte einige Reihen für mich allein. Die Amis gewannen.
Der glorreiche Abschied von der WM war für mich das sensationelle 2:1 von Südkorea gegen Italien. Zum Glück hatte ich mir Tickets dafür schon lange im Voraus gesichert. Es war eines der beiden bewegendsten Live-Spiele, die ich jemals in einem Stadion gesehen habe. Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen. Es war der absolute Wahnsinn. Und die Choreographie der Koreaner ist einfach super.

Die Achtelfinalspiele in Japan konnte ich nur im TV erleben. Die Dänen verloren leider klar gegen England. Dafür schlug Senegal überraschend Schweden. Brasilien setzte sich gegen Belgien durch. Und Japan verlor leider gegen die Türken.

Selten war das Viertelfinale so stark besetzt wie bei dieser WM. Auch aus diesem Grund war es für mich die bislang beste überhaupt. Deutschland schlug die USA nur knapp mit 1:0. Senegal scheiterte an der Türkei. Brasilien gewann gegen England. Und Südkorea setzte mit dem 5:3 gegen Spanien noch einen drauf. Ich freute mich riesig.

Im Halbfinale hätte die Türkei Revanche haben können gegen Brasilien. Doch wieder zogen sie den Kürzeren. Im anderen Spiel drückte ich Korea die Daumen gegen Deutschland. Doch nun war Ende. 0:1. Die Türken wurden Dritter. Deutschland verlor das Finale gegen Brasilien 0:2. Der Abschluß war also nicht der I-Punkt auf die fantatstische WM. Dennoch war es ein unheimlich schöne Zeit mit vielen positiven Überraschungen und sehr sympathischen Gastgebern.

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