Mein Rückblick auf 10 Jahre Fußball-WM beginnt 1974. Damals war ich 10 Jahre. Vermutlich hätte ich auch schon 1970 miterleben können, wenn die Anstoßzeiten in Mexiko nicht mitten in der Nacht gewesen wären. Von 1966 kenne ich nur das legendäre Wembley-Tor in den Rückblenden. Und leider ist mir auch 1954 nur aus Radiomitschnitten und Filmen geläufig.
Fußball mochte ich als Kind nicht besonders. Immerhin lief damals die ARD-Sportschau gegen meinen Lieblingsserien Raumschiff Enterprise und Daktari. Ein ewiger Streit mit meinem Opa und meinen Eltern, denn wir hatten lange Zeit nur einen Fernseher. Doch 1974 bekam ich meinen eigenen kleinen Schwarz-Weiß-TV. Und meine Eltern sagten mir: die WM musst du sehen. Das ist ein Weltereignis. Damit begann nicht nur meine Ära als WM-Zuschauer, sondern auch generell als Fußball-Fan.
Die WM fand zwar in Deutschland statt, doch davon war bei uns in der dörflichen Vorgebirgsgegend nicht viel zu spüren. Ich erinnere mich nur an Wackeldackel, die viele Leute in ihren Autos spatzieren fuhren, sowie Tip und Tap, die beiden Maskottchen.
Ich sah damals nicht alle Spiele, zumal auch noch Spiele parallel stattfanden. Zum Teil bevorzugte ich daher Radioübertragungen wegen der Konferenzschaltung. Ich erinnere da z.B. an DDR-Australien und Zaire gegen Schottland. Damals galt aber meine ganze Aufemrksamkeit der bundesdeutschen Auswahl mit Sepp Maier im Tor und dem legendären Gerd Müller im Sturm. Auch Vogts, Breitner und Beckenbauer sind mir noch gut in Erinnerung. Vogts wirkte mir damals sehr unscheinbar - eher ein Nichts auf dem Spielfeld. Mir war völlig unlogisch, wie der ein Fußballspieler sein konnte.
Das Eröffnungsspiel BRD gegen Chile war auch mein erstes Spiel. Großartiger 1:0-Sieg. Das Fußballfieber war entfacht. Was wäre wohl passiert, wenn Deutschland damals verloren hätte? Vielleicht hätte ich bis heute bei wieder ein Fußballspiel geschaut. Hätte wirklich sein können. Also war das 1:0 ein historischer Sieg!
Die DDR war auch in der Gruppe. Die DDR war für mich Ausland. Wir wohnten direkt an der Grenze, konnten DDR-TV empfangen, aber aufgrund der späten Geburt war die DDR für mich genauso Ausland wie z.B. Italien. Erst einige Jahre später wurde ich auch Fan der DDR-Nationalmannschaft, weil ich halt alle Spiele verfolgen konnte. 1974 war mir das Abschneiden aber eher egal. Ich konnte auch die Spielstärken aus der Historie noch nicht so abschätzen. Australien erschein mir noch irgendwie smpathisch, aber die hatten damals keine Chance. Nach dem bereits erfolgten Einzug in die 2.Runde war die Niederlage gegen die DDR nicht ganz so tragisch für mich wie für viele andere.
An die Gruppe B habe ich kaum eine Erinnerung. Aus heutiger Sicht hätte ich Zaire und Schottland die Daumen gedrückt, die aber gegen Jugoslawien und Brasilien ausschieden. In Gruppe C überraschten die Holländer, was mir aber zu dem Zeitpunkt egal war und ich in dieser historischen Dimension auch noch nicht begreifen konnte. Mit Bulgarien und Uruguay scheiterten die Richtigen, wie ich heute denke. Schweden kam auch noch weiter.
Hinter den Deutschen war Haiti mein Zweitlieblingsteam. Der Name klang einfach so schön. Doch es gab klägliche Niederlagen. Mit Italien flog ein Favorit raus, was mir aber erst später klar wurde. Mein Umfeld freute sich darüber sehr. Aber mit Polen und Argentinien kamen mir nicht gerade sympathische Teams weiter.
Die meiste Erinnerung habe ich an die Zwischenrunde. Eigentlich war die Gruppe A die Stärkere, in der sich wieder Holland sogar gegen die Südamerikaner durchsetzte. Man erzählte mir, Brasilien würde einen Zauberfußball spielen. Davon war aber nicht viel zu sehen.
Dann kamen die Hammerspiele der BRD-Mannschaft. Jugoslawien mit 2:0 weggehauen. Und dann kam Angstgegner Schweden. In unserer Familie hatten alle Respekt vor den Skandinaviern. Das steckte auch mich an. Was war so gefährlich an denen? Es wurde ein großer Sieg mit 4:2.
Und natürlich erinnern wir uns an die legendäre Wasserschlacht von Frankfurt, als Polen im Wasserball mit 1:0 besiegt wurde. FINALE!!!
Das Endspiel nahm ich vom Radio auf und hörte es mir anschließend bestimmt 20 mal an. Videorecorder gab es ja noch nicht für die Masse. Holland ging schnell in Führung. Ein Schock. Dann aber die Erlösung kurz vor der Halbzeit mit dem 2:1. Der TV-Reporter (war es Ernst Huberty?) war damals noch langweiliger als heute. Das deutsche Team konnte die Führung halten und ich wurde zum ersten Mal Weltmeister. Ein schönes Gefühl. Ab sofort wollte ich immer Weltmeister werden.
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