Man sollte ja eigentlich meinen, dass mir der WM-Titel Deutschlands als Erstes in Erinnerung kommt, wenn ich an das Turnier 1990 in Italien denke. Aber die Leistung Kameruns war prägender. Ich weiß noch, wie der Saal bei der Auslosung gemurrt hatte, als das Eröffnungsspiel Argentinien gegen Kamerun gezogen wurde. Jeder erwartete einen überlegenen Sieg der Südamerikaner. Aber Pustekuche. Kamerun gewann 1:0. Das schönste Eröffnungsspiel bis dahin. Auch gegen Rumänien konnten die Afrikaner gewinnen. Der alte Roger Milla war der Mann des Turniers. Jubelszenen an der Eckfahne gab es bis dato noch nicht. Ein neuer Zauber. Gegen die Sowjetunion konnte man noch 0:4 verlieren.
In Gruppe A hatten Österreich und die USA leider keine Chance gegen Italien und die CSSR. Dagegen sorgte Neuling Costa Rica in Gruppe C für eine Überraschung. Zunächst der 1:0-Sieg gegen Schottland, das knappe 0:1 gegen Brasilien und das 2:1 gegen Schweden. Für die Schotten tat mir das erneute Aus bei einer Vorrunde sehr leid.
Deutschland begann mit einem 4:1 gegen Jugoslawien. Es folgte ein 5:1 gegen die Vereinigten Arabischen Emirate, die leider kein Spiel gewinnen konnten. Mit dem 1:1 erreichte Kolumbien als Dritter das Achtelfinale.
In Gruppe E setzte ich alles auf Südkorea, doch sie verloren alles. Spanien, Belgien und Uruguay setzten sich durch. Die Gruppe F bestand fast nur aus Unentschieden. Nur England gewann dummerweise gegen Ägypten. Neuling Irland und Holland waren am Ende punkt- und torgleich. So entschied das Los, wer im Achtelfinale gegen Deutschland ranmusste. Es war die Niederlande.
Als Student konnte ich viele Spiele live sehen. Blöderweise fand aber in der ersten Woche eine Studienfahrt nach Stuttgart statt. So musste ich einige Spiele in der Jugendherberge sehen, wobei der doofe Herbergsleiter pünktlich wie immer die Fernseher zur Halbzeit ausschaltete. Einige Matches habe ich im Autoradio gehört, andere in den Schaufenstern der Stuttgarter Innenstadt. Später verfolgte ich einige Spiele im Keller-TV meiner Freundin.
Die Achtelfinal-Paarungen waren teilweise wieder sehr langweilig, z.B. Italien-Uruguay oder Spanien-Jugoslawien. Irland besiegte Rumänien im Elfmeterschießen. Costa Rica hatte leider gegen die CSSR keine Chance. Dafür gewann Kamerun gegen Kolumbien 2:1. Und die Deutschen schmissen die Niederlande raus. Es war das Lama-Spiel. Frank Rijkaard bespuckte unseren Rudi. Das war der Gipfel einer lange Fehde zwischen den Nationen. Ich war auch völlig außer mir. Diese Säcke!
Somit waren immerhin 3 mir sympathische Teams im Viertelfinale. Eine bis dahin gute Quote. Und so langsam schaute ich ja nicht nur auf Deutschland, sondern freute mich auch u.a. über Irland und Kamerun. Die Iren verloren jedoch knapp gegen Italien. Traurig.
Richtig sauer war ich auf die Engländer, die Kamerun mit 3:2 nach Hause schickten: Damit blieben nur noch die Deutschen übrig, die die Tschechoslowaken mit 1:0 besiegten. Es kam zur Halbfinalschlacht gegen England mit einem starken Gary Lineker. Das Elfmeterschießen gewann natürlich Deutschland. Das Finale gegen Argentinien war eigentlich langweilig. Erst in der 85. Minute bekam Brehme einen Elfer, den er verwandelte. Beckenbauer ging schweigend über den Platz, das Land jubelte, aber irgendwie konnte ich mich nach dem müden Spiel nicht so richtig freuen, wenn ich mich recht entsinne. Es war insgesamt eine tolle WM.
Tags:
Deutschland,
Fußball-WM 1990,
Italien,
Kamerun